Phase IV
8Jan/140

Das war mein Kinojahr 2013

Nach etwa einem jahr mal ein Update von mir.

Dieses Jahr habe ich sehr viel an Filmen und Serien gesehen, weswegen ich hier derart faul war. Sorry, aber irgendwo muss man ja seine Prioritäten setzen. 😉

Hier nun, ohne große Umschweife, der Link zu den von mir gesehenen Filme des Jahres 2013, ganz kommentarlos natürlich, denn auch dafür war ich einfach zu faul.

Sortiert sind sie natürlich, meiner Meinung nach zumindest, vom besten Film der Jahres bis hin zum schlechtesten. Dazu muss ich noch sagen, dass ich nur die ersten 25 Filme als Must-Sees für Fans des jeweiligen Genres bezeichen kann, glücklicherweise aber auch nicht allzu viel Müll gesehen habe. Lediglich die letzten fünf Filme empfinde ich als ernsthaft schlecht, dafür dann aber auch richtig und das auf fast schon beleidigende Art und Weise. Dazwischen gibt es eine Riesen-Grauzone an Filmen, die man sich als Fan des jeweiligen Genres gut ansehen kann, aber man auch nichts verpasst, wenn man es nicht tut.

Viel Spaß beim stöbern!

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18Jan/120

Shark-Attack-Day bei Phase IV -> Review: THE REEF vs. SHARK NIGHT 3D

Yep, heute ist Shark-Attack-Day bei Phase IV.

Der Hai-Horrorfilm, sowie der Unterwasserhorrorfilm im allgemeinen, ist ein Subgenre, welches sehr schwer anzugehen zu sein scheint. Es gibt nur sehr wenige Filme, die sich darin behaupten können. So ganz spontan fallen mir gerade lediglich Steven Spielberg's JAWS und Renny Harlin's DEEP BLUE SEA ein, die mich wirklich begeistern konnten und beide könnten kaum unterschiedlicher sein.

Letztes Jahr kamen zwei neue Hai-Horrorfilme raus, die ich beide erst innerhallb der letzten Wochen zu Gesicht bekommen habe und die ebenfalls kaum unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite steht THE REEF, der, nach einer langen Festivaltour, nun im Heimkinoformat erhältlich ist. Auf der anderen Seite steht SHARK NIGHT 3D, der seit anfang Dezember in unseren Kinos läuft. Aber was haben uns diese beiden Filme zu bieten?

THE REEF (2010), 94 min.
R: Andrew Traucki; B: Andrew Traucki & James M. Vernon;
D: Damian Walshe-Howling, Gyton Grantley, Adrienne Pickering, Zoe Naylor & Kieran Darcy-Smith
Angeblich auf einer wahren Geschichte basierend, handelt THE REEF von fünf Freunden, die auf einer Bootstour ihren Urlaub verbringen möchten. Doch schon nach kurzer Zeit kentert das Boot mitten im Ozean, meilenweit vom nächsten Land entfernt. Jetzt gibt es für sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder warten die fünf auf dem sinkenden Wrack ab, dass ein vorbeikommendes Boot sie entdeckt, was an dieser Stelle jedoch sehr unwarscheinlich ist, oder sie versuchen zum nächstgelegenen Stück Land zu schwimmen, welches aber ewig weit weg und nicht mal am Horizont zu sehen ist. Einer von ihnen entscheidet sich fürs Wrack und der Rest schwimmt los. Jedoch dauert es nicht lange, bis der erste einem Hai zum Opfer fällt. Eine mörderische Verfolgungsjagd beginnt.
THE REEF erfindet nichts neu und kommt bei weitem nicht an die Klasse eines JAWS ran, nichtsdestotrotz ist Regisseur Andrew Taucki ein verdammt spannender Film gelungen, der seine Möglichkeiten voll ausschöpft. Klar, gibt es logische ungereimtheiten. Zum Beispiel, dass sie sich nicht die Zeit nehmen, mehr Sachen aus dem Boot zu kramen, die ihnen auf einer solch langen Strecke helfen könnten, über Wasser zu bleiben, oder dass sie nicht versuchen mehr Wasserproviant aus dem Wrack zu bergen, oder dass sie nur eine einzige Taucherbrille mitnehmen. Aber das ist auch schon alles, was man THE REEF vorwerfen kann und als Zuschauer sollte man versuchen darüber hinweg zu sehen. Der Suspense hilft dabei ungemein. Verblüffend ist auch, wie dem Zuschauer, trotz dieses unendlich weit scheinenden Ozeans, ein immer stärker werdendes Gefühl der Klaustrophobie vermittelt wird. Ein Hoch dafür an Kameramann Daniel Ardilley, der wirklich ganz große Arbeit geleistet hat.
THE REEF ist jedenfalls schon mal viel besser als der stinklangweilige OPEN WATER (2003) und definitiv ein Muss für Fans dieses Genres.

SHARK NIGHT 3D (2011), 91 min.
R: David R. Ellis; B: Will Hayes & Jesse Studenberg;
D: Sara Paxton, Dustin Milligan, Chris Carmack, Katharine McPhee, Joel David Moore & Donal Logue
Um sich wenigstens ein Wochenende mal vom stressigen Studium zu entspannen, packen Sara und ihre sechs Collegefreunde die Badesachen ein und machen sich auf ins Ferienhaus von Sara's Eltern, dass ganz abgelegen auf einer kleinen Insel in einem Salzwassersee in Louisiana liegt. Es scheint der perfekte Urlaubsort zu sein, doch spätestens als einem von ihnen, während einer Runde Wasserski, von einem Hai ein Arm abgebissen wird, erkennen sie, dass das nicht mehr der Fall ist. Doch was zur Hölle hat ein Hai in einem See in Louisiana zu suchen?
SHARK NIGHT 3D hat eigentlich alle Zutaten, die richtig zusammengesetzt, ein wahrlich wunderbares Trashefest ergeben hätten. Haie - check! Eine (fast komplett) sympathische Cast - check! Schöne Mädels in knappen Bikinis - check! Eine absolut hirnrissige Handlung, die ein wahres Guilty-pleasure-Highlight verspricht - check, check, check! Aber leider, ja leider, ist das alles voll verschenkt und das aus einem ganz simplen Grund: Gier!
Um nämlich ein möglichst breites Publikum zu erreichen, wurde von Anfang an das amerikanische PG13 Rating anvisiert. Auf diese Weise, können zusätzlich auch noch jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren als Zuschauer gewonnen werden. PG13 bedeutet jedoch: Kein fluchen, keine Nacktheit, kein Sex und keine Gewalt. Aber seien wir mal Ehrlich, was erwarten wir, wenn wir uns im Kino einen Film wie SN3D anschauen möchten? Also ich erwarte "Brüste, Blut und fiese Haie" (Ein abgewandeltes Zitat der Blu-Ray-Coverrückseite des PIRANHA Remakes.) und ich hoffe, damit stehe ich nicht allein da. Alexandre Aja hat mit seinem herrlich verrückten Remake von PIRANHA doch vorgemacht, wie das richtig geht. Man kann doch nicht erwarten, einen ähnlichen Erfolg zu haben, wenn man alles was PIRANHA doch so gut gemacht hat, einfach weg lässt. SN3D hat nun mal nicht die nötige Substanz, um ohne diese Zutaten überleben zu können.
Schlimmer noch, in SN3D wird man die ganze Zeit über sogar nur geteased. Viel wird angedeutet, aber zu sehen gibt es rein gar nichts. Es gibt "Strategic Nudity" und eine Menge Blut im Wasser, aber man ist nie wirklich dabei. Nach etwa 90 Minuten davon, fühlt man sich einfach nur noch voll verarscht. Dieses Kinoerlebnis kommt in etwa dem gleich, wie wenn man eine Prostituierte zu sich bestellt, die jedoch nicht ans Eingemachte will, weswegen man mit ihr dann nur ein langes, unpersönliches Gespräch über das Wetter führt und am Ende, nachdem man bei Ihrem Zuhälter doch für die gemeinsam verbrachte Zeit blechen musste, ist man alleine, hat Blue Balls und spielt fünf gegen Willie.
Ein "Happy End" gibt's dann also doch noch. Denn wer es bis nach dem Abspann von SN3D aushält, bekommt die einzige, dafür aber wirklich geniale Idee der Filmemacher zu sehen. Und zwar ein Musikvideo, in dem die Schauspieler allesamt rappen, wie sie in dem Film gestorben sind. Das ist dann mal wirklich witzig und kreativ. Bis dahin muss man aber eine ganze Menge Blue Balls ertragen.

Wie anfangs gesagt, die Filme könnten kaum unterschiedlicher sein und sie zu vergleichen, wäre wie ein Vergleich von Äpfeln mit Orangen (oder in diesem Fall eher Curry-Wurst und Kackwurst). THE REEF kann ich Fans des Genres echt ans Herz legen, SHARK NIGHT 3D jedoch, kann man sich vielleicht mal als Timewaster auf ProSieben ansehen, (die Cast ist attraktiv genug und auch das Musikvideo am Ende ist echt mal einen Blick wert) aber er ist es ganz sicher nicht wert, im Kino gesehen zu werden, noch ist er die Kohle zum Ausleihen wert.

24Dez/110

Review: BLACK CHRISTMAS (1974) vs. BLACK CHRISTMAS (2006)

'Tis the season to be jolly. Fa la la la la, la la la la. Aber nicht für die Studentinnen des Verbindungshauses in BLACK CHRISTMAS. Die werden nämlich belästigt von einem gestörten Anrufer und eine Studentin nach der anderen verschwindet. In dem ganzen Chaos muss die Studentin Jess auch noch mit ihren eigenen Problemen klar kommen, wonach ihr gerade überhaupt nicht der Kopf steht. Mit Lieutenant Fuller zusammen, versucht sie den Anrufer zu stellen.

Bob Clark's BLACK CHRISTMAS wird zurecht als Klassiker des Horrogenres bezeichnet, der Filmen wie HALLOWEEN und FRIDAY THE 13TH als Wegbereiter diente. Von dem Durchschnittshorrorfilm unterscheiden ihn vor allem die sorgfältig gezeichneten Charaktere. Sie sind nicht einfach nur irgendwelche austauschbaren Teenager, sondern Identifikationsfiguren. Jede Figur hat Schrullen oder Probleme mit denen sie sich rumplagen muss, mitunter auch Probleme, die damals sogar als gewagt angesehen wurden. Das trägt natürlich stark zur Spannung bei. Die Kameraarbeit von Reginald Morris hilft dem ebenfalls ungemein. Die Aufnahmen aus der Subjektive des Psychopathen sind technisch auf höchstem Niveau und sind durchaus als wegweisend zu bezeichnen. Und die Sounds des Anrufers? Mann, die sind wirklich verstörend. BLACK CHRISTMAS ist durch und durch ein Meisterwerk und Spannung und Gänsehaut bis zur letzten Minute sind garantiert.

BLACK CHRISTMAS (2006) hat ungefähr die gleiche Handlung, nur wurde der Zeitraum auf den Heiligabend begrenzt, anstatt wie im Original, alle Weihnachtstage abzudecken. Außerdem wurde hier auf die Entmystifizierung des Killers gesetzt. Während der Killer im Original sich nie zu erkennen gibt, wird er im Remake von Anfang an quasi zelebriert. Es fühlt sich ein wenig so an, als wäre sich Regisseur und Drehbuchautor Glen Morgan bewusst gewesen, dass sein Film nie an die Klasse des Originals rankommen würde und er sich dann ganz einfach dafür entschieden hätte, einen Partyfilm zu machen. Das ist ihm nämlich gelungen, denn der Film macht sauspaß. Auf Charakterzeichnung verzichtet er so gut wie ganz. Stattdessen bekommen wir einen, mit schrägem Humor versetzten, Splatterspaß, der es echt in sich hat. Die Kills sind genial inszeniert und die attraktive Cast tut ihr Übriges (obwohl ich Mary Elizabeth Winsteads viel zu vorzeitiges Ableben jedes mal sehr bedauere).

Mein Fazit: Der eindeutig bessere Film ist natürlich das Original. Die athmosphärisch dichte Inszenierung ist nicht zu schlagen. Wer aber mal für 90 Minuten das Hirn abschalten und sich gut amüsieren möchte, kann getrost zum Remake greifen. Als Double-Feature kann ich sie auch sehr empfehlen. Die ähnliche Thematik stört dabei wirklich nicht, denn, trotz des groben Handlungsgerüstes, könnten die Filme nicht unterschiedlicher sein. Eines haben sie aber gemein, sie sind hervorragende Weihnachtsfilme. Ho ho ho.

Frohe Weihnachten!

(Vom Original gibt's diesmal keinen Trailer, weil die alle einfach zu viel zeigen.)

23Dez/110

Review: Frohe Weihnachten mit SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT

Na dann, morgen ist mal wieder Heiligabend und welcher Feiertag ist besser dazu geeignet vor der Glotze abzuhängen, als dieser? Von Mutti versorgt mit einem Stapel Tupperware voll mit leckerem Essen, lümmelt man den ganzem Tag eh nur auf der Couch herum und stopft sich voll, bis einem übel wird. Aber was schaut man sich dabei an? Ich lande ja immer bei den üblichen Verdächtigen, Filmen wie DIE HARD 1&2, LETHAL WEAPON, KISS KISS BANG BANG, A LONG KISS GOODNIGHT und natürlich meinem Lieblingsweihnachtsfilm GREMLINS. (Die KEVIN Filme kann ich echt nicht mehr sehen.)

Aber was ist mit den unbekannteren Weihnachtsfilmen, Weihnachtshorrorfilme z.B., die nicht im TV laufen? Filme wie SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT oder BLACK CHRISTMAS? Passen Weihnachten und Horrorfilme überhaupt zusammen? Natürlich tun sie das. Weihnachten mit der Familie kann ja doch sehr stressig sein, wenn man sich zwingt es besonders schön zu haben und es letztendlich in Geschrei kulminiert, bevor man sich irgendwann doch wieder beruhigt zum essen hinsetzen kann. Horrorfilme passen eigentlich perfekt dazu, denn sie spiegeln den Stress wider und helfen einem somit, die Anspannung abzubauen. Zumindest mir geht das so.

Aber niemand verdient derart stressige Weihnachten, wie sie Billy in SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT erlebt. Es ist Heiligabend 1971. Seine Eltern möchten dem Pflegebedürftigen Großvater einen kurzen Weihnachtsbesuch im Heim abstatten, aber kaum ist dieser mit dem kleinen Billy kurz mal allein, fragt er ihn, ob er denn das ganze Jahr über auch schön artig war. Es sei nämlich gar nicht so, dass der Weihnachtsmann unartigen Kindern einfach nur keine Geschenke mitbringt, nein, er würde sie trotzdem besuchen kommen, um sie für ihre Unartigkeit gebührend zu bestrafen. Verständlicherweise hat Billy, der wohl nicht so ganz artig war, keinen Bock mehr auf Weihnachten. Wie es das Schicksal so will, halten seine Eltern auf dem Heimweg kurz an, um einem, als Weihnachtsmann verkleideten Mann mit seinem liegengebliebenen Auto zu helfen. Dieser entpuppt sich als Psychopath, der Billys Eltern auf brutale Art und Weise tötet. Billy beobachtet alles, kann ihm aber entwischen. Nach alledem landet er in einem Waisenhaus, welches von einer Mutter Oberin mit strenger Hand geführt wird. Statt ihn psychologisch betreuen zu lassen, setzt sie in den folgenden Jahren auf die Methode, ihm seine Angst vor Weihnachten mit Züchtigung auszutreiben. Ein paar Jahre später, als 18 jähriger, nimmt er seinen ersten Job in einem kleinen Supermarkt an. Die Kacke fängt zu dampfen an, als er von seinem Boss gebeten wird, am Heiligabend für die Kinder auf Weihnachtsmann zu machen, denn kaum dass er den Anzug an hat, fühlt er sich auch schon dazu verpflichtet, alle Unartigen zu bestrafen.

SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT ist ein fieser, kleiner Slasher, der zu unrecht total unbekannt ist. Das Drehbuch schlägt hier, zur Abwechslung mal, einen, für dieses Subgenre, ungewöhnlichen Weg ein. Durch die durchaus nachvollziehbare, psychologische Entwicklung Billys, wird der Zuschauer nämlich dazu gebracht, stets Sympathie für ihn zu empfinden, selbst wenn er Leute erwischt, die den Tod gar nicht verdient haben. Das ist mal echt was neues und unterscheidet sich dadurch auf sehr angenehme Weise von den meisten anderen Slashern, die im Fahrwasser von HALLOWEEN und FRIDAY THE 13TH entstanden sind. Alleine dafür ist er einen Blick wert. Schräger Humor und die, durch die Bank weg, soliden Schauspieler tun ihr übriges. Die Kills sind natürlich auch sehr schön. Alles in allem ist SILENT NIGHT, DEADLY NIGHT ein gelungener Slasher, der keinem Genrefan auch nur den geringsten Grund zu meckern geben dürfte.

"Have you been naughty?"

22Dez/110

Review: WU XIA

Letztens kam ich endlich mal dazu, mir Peter Chan's neuen Film WU XIA anzusehen. Eigentlich bin ich ja kein großer Peter Chan Fan, zumindest nicht als Regisseur, als Produzent jedoch hat er so einigen echt guten Filmen bei der Finanzierung geholfen. Jedenfalls spielen Donnie Yen und Takeshi Kaneshiro in den Hauptrollen und die haben es einfach mal voll drauf. Donnie ist ein begnadeter Fighter und Takeshi ist ein verdammt guter Schauspieler. Außerdem waren die Kritiken für WU XIA durch die Bank weg positiv. Im Vorspann lese ich dann auch noch den Namen Jimmy Wang Yu in der Castliste. (Für diejenigen die nicht wissen wer Jimmy Wang Yu ist, ende der sechziger bis weit in die siebziger Jahre hinein, war er, mal abgesehen von Bruce Lee, der bekannteste Kung Fu Film Darsteller Hongkongs.) Jetzt war ich also richtig psyched.

WU XIA's Handlung dreht sich um den freundlichen Papierverkäufer Liu Jin-xie, der mit seiner Familie zusammen, irgendwo in der chinesischen Provinz, ein einfaches, aber zufriedenes Leben fristet. Eines Tages jedoch, kommen zwei finstere Gestalten in die Stadt, die prompt einen Laden ausrauben möchten. Als die beiden Verbrecher anfangen Gewalt anzuwenden, schreitet Jin-xie ein. Mit scheinbar mehr Glück als Verstand, tötet er die beiden in Notwehr. Der Polizist Xu Bai-jiu glaubt ihm seine Geschichte aber nicht ganz. Auch wenn die Augenzeugen Jin-xies Geschichte bestätigen, wie kann es sein, dass es ein einfacher Arbeiter schafft, zwei ausgebildete Kämpfer und gesuchte Schwerverbrecher zu töten, ohne selbst eine ernsthafte Verletzung davon zu tragen? War es wirklich nur Glück, oder ist Jin-xie nicht der, der er zu sein behauptett? Bai-jiu hat nicht vor ihm von der Seite zu weichen, bis er nicht genau weiß, was vorgefallen ist.

Das Subgenre der Wu Xia Filme (Wu Xia steht für, ganz grob gesagt: Chinesischer Schwertkampffilm vor historischer Kulisse) hatte es in den letzten Jahren nicht leicht, obwohl es erst in den letzten Jahren weltweit aufblühte. Diesen Boom ausgelöst hat niemand geringeres als Ang Lee mit seinem Oscarprämierten CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON, aber die eigentliche Hoch-Zeit hatte das Genre anfang der neunziger Jahre. CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON sollte es nur wiederbeleben, aber eigentlich ging es seitdem nur bergab. Amerikanische Finanziers haben zwar genügend Geld investiert, damit die Filme, zumindest visuell, den westlichen Ansprüchen angeglichen werden, aber die Kreativität ging dabei total flöten. Ernsthaft begeistern konnten mich persönlich nur noch Zhang Yimou's HERO und die letztjährige John Woo Produktion REIGN OF ASSASSINS (und vielleicht doch noch Feng Xiaogang's THE BANQUET, aber da bin ich mir nicht mehr so ganz sicher.).

Wollte Peter Chan mit WU XIA (der übrigens ein Remake von A HISTORY OF VIOLENCE ist) nun den ultimativen Wu Xia-Film schaffen, heißt er deswegen so? Keine Ahnung. Ist ihm der perfekte Wu Xia Film gelungen? Nein, leider nicht so ganz, HERO ist doch noch ein Stück besser.

WU XIA ist einfach ein geiler Film der sauspaß macht und mal ein Beispiel dafür, wie gut Remakes sein können. Die Kampfszenen sind wirklich allererste Sahne choreographiert und gehören zum Besten, was ich in den letzten Jahren gesehen hab. Die wunderschönen Locations und das Set-Design sorgen ebenfalls für eine Menge Eyecandy, die durch die sehr farbgesättigten Aufnahmen noch extra zur Geltung kommen und der Soundtrack ist zwar ungewöhnlich, aber auch ungewöhlich gut und unpathetisch. Auch das Drehbuch verzichtet größtenteils auf hongkongtypische Sentimentalitäten und überträgt die, aus A HISTORY OF VIOLENCE bekannte, Prämisse, die in dieses Genre passt wie die Faust aufs Auge, gekonnt und durchaus klug ins ländliche China in den zehner Jahren des 20. Jahrhunderts. Takeshi Kaneshiro's Bai-jiu, der wie eine schizophrene Mischung aus Columbo und Robert Downey Jr.'s Sherlock Holmes daher kommt, sorgt dabei für reichlich schrägen Humor.

Kurz gesagt, in den 100 Minuten Laufzeit gibt es keine einzige Minute, die ich entfernen würde. Ein toller Film!

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21Dez/110

Review: TARGETS

Letzte Nacht habe ich zum ersten Mal Peter Bogdanovich's Spielfilmdebut TARGETS gesehen und ich kann nicht glauben, dass es so lange dauerte, dieses Filmjuwel für mich zu entdecken.

TARGETS handelt von Byron Orlok, einem alternden Gruselfilmstar, der nach einem privaten Screening seines letzten Filmes beschließt, seinen Beruf als Schauspieler an den Nagel zu hängen. Die Welt gehöre jetzt den jungen Menschen, denen er einfach nichts mehr zu bieten hat. Parallel dazu wird die Geschichte von Bobby Thompson erzählt, einem jungen Versicherungsvertreter aus gutem Hause, der eines Tages einfach Amok läuft.

TARGETS ist dicht erzähltes, packendes Genrekino, welches den Zeitgeist seiner Ära gekonnt wiederspiegelt, denn zu dem Zeitpunkt befand sich das Horrorkino im Umschwung und die beiden Protagonisten kann man durchaus als Metapher dafür verstehen. Boris Karloffs oscarwürdige und sehr selbstironische Darstellung des Byron Orlok steht für den Abgesang des altmodischen Horrorfilms, mit seinen angestaubten, gothischen Sets und Gummifledermäusen usw. Währenddessen repräsentiert Bobby Thompson (Dessen Geschichte auf dem wahren Fall des Studenten Charles Whitman basiert, der eines Tages seine Frau und seine Mutter erschoss und anschließend von einem Turm aus wahllos in die Menge auf seinem Kampus feuerte, bevor er sich selbst das Leben nahm.) eine ganz neue Art von Horror, nämlich den realistischen Horror, wie er uns jederzeit auch in Wirklichkeit erwischen könnte. Ob das von Bogdanovich nun so geplant oder es doch nur reiner Zufall war, keine Ahnung. Nichtsdestotrotz verdient TARGETS es, die gleiche Relevanz im Genrekino genießen zu dürfen, wie z.B. NIGHT OF THE LIVING DEAD und ROSEMARY'S BABY, die etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, weil er, wie auch diese Filme, wegweisend war.

Genauso spannend wie der Film selbst, war auch seine kuriose Entstehungsgeschichte. 1967 trat der berühmte Low Budget Produzent Roger Corman auf Peter Bogdanovich zu, gab ihm 20 Minuten fertig gedrehtes Filmmaterial mit Boris Karloff und Jack Nicholson in die Hand, dazu ein Budget von 125.000 Dollar und zwei Drehtage mit Boris Karloff, die der Corman noch schuldig war. Was er daraus machen würde, sei ihm ganz selbst überlassen. Die 20 Minuten an bestehendem Filmmaterial endeten also als Film im Film und nach einer Drehbuchpolitur durch den großen Samuel Fuller, dessen Einfluss merklich zu spüren ist, hat Peter Bogdanovich innerhalb von 22 Tagen die, meiner Meinung nach, beste Produktion aus dem Hause Corman abgeliefert.

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24Nov/100

Review: SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD

Ja! Lange hat es gedauert und die Vorfreude wuchs schon ins unermessliche, aber endlich, endlich habe ich ihn gesehen und das ist mir jetzt eine kleine Rezension Wert.

Scott Pilgrim ist 22 Jahre alt und er datet die 17 jährige High-School Schülerin Knives Chau. In seiner Clique trifft das auf gemischte Gefühle. Die einen finden es scheiße und für die anderen ist es ok, immerhin hat er sich von seiner letzten Beziehung noch nicht ganz erholen können. Die Beziehung zu Knives sei nett und simpel und genau das brauche er gerade. Dann jedoch trifft er seine Traumfrau Ramona Flowers. Um sie aber daten zu können, muss zuerst einmal mit der armen Knives schluss gemacht werden. Es wird noch schlimmer. Um mit Ramona wirklich zusammensein zu dürfen, muss er nämlich ihre sieben bösen Exe im Kampf besiegen, aber vor allem den Schweinehund in sich selbst.

Wer keine Lust auf großen Filmnerdtum (das Wort habe ich gerade erfunden) hat, sollte jetzt einfach zum letzten Absatz springen.

Regisseur und Co-Drehbuchautor Edgar Wright (SHAUN OF THE DEAD, HOT FUZZ) ist mit SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD sein bisher größter Geniestreich gelungen. Er stand vor der schweren Aufgabe, nicht nur eine Geschichte, sondern eine ganze Welt, die Autor und Zeichner Bryan Lee O'Malley in ganzen sechs Comicbänden entwickeln durfte, für einen knapp zweistündigen Film zu adaptieren. Und verdammt, wie toll ihm das gelungen ist.

Mit sehr viel Liebe zum Detail und der Vorlage sehr treu wurden die Figuren und die Realität um Scott Pilgrim ins Leben gerufen. Er lebt in einer Welt, in der es normal zu sein scheint, übermenschliche und psychische Fahigkeiten wie in einem Anime zu besitzen. Es scheint absolut gewöhnlich, sich überall einen Straßenkampf ala STREET FIGHTER auf Leben und Tod liefern zu können. Offensichtlich ist es auch normal, dass, wenn man besiegt wird, man sich in einen Haufen Münzen auflöst, wie in einem SUPER MARIO Spiel. Aber nicht nur Animes und Videospiele standen für diese Realität Pate. Auch Filme wie Stephen Chows KUNG FU HUSTLE oder die BATMAN TV Serie der sechziger Jahre erkennt man als große Vorbilder.

Um diese Hyperrealität richtig in Szene zu setzen, ist sehr viel Wert auf die Sets, die Visuellen Effekte, aber vor allem auf die Choreographie der Kampfszenen gelegt worden, für die kein geringerer als Brad Allan (KICK-ASS, HELLBOY 2) verantwortlich zeichnet. Seine Wurzeln als ehemaliges Mitglied des Jackie Chan Stuntteam lässt er durchblitzen, indem er seinem Mentor mehr als einmal Tribut zollt. Wenn etwa der erste "Böse Ex" Matthew Patel, für einen ganz kurzen moment, die Beinarbeit von Ken Lo in dem grandiosen Endkampf aus DRUNKEN MASTER 2 nachahmt, dann schlägt mein Filmnerd-Herz schon höher. Auch andere Jackie Chan Filme werden in den diversen Fights zitiert, aber auch Filme wie CROUCHING TIGER, HIDDEN DRAGON und MATRIX.

Zusätzlich dazu, wird das Geschehen mit einem unglaublichen Erzähltempo voran getrieben. Die Szenenwechsel geschehen manchmal derart schnell, dass, wenn man kurz nicht hinschaut, man vielleicht schon ganze drei Szenen verpasst. Überhaupt, was im Comic etwas über ein Jahr dauert, scheint hier in nur wenigen Wochen zu geschehen. Dafür wurde vieles gestrafft und gestrichen, aber das geschah mit sehr großer Sorgfalt, so dass die wesentlichsten Elemente erhalten blieben und die Seele der Vorlage nie verraten wurde.

Von der dargestellten Hyperrealität und dem Erzähltempo sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Letztendlich dienen sie nur der Geschichte, statt sie unter sich zu vergraben. SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist an vorderster Stelle eine ganz süße Liebesgeschichte. Ob erste Liebe, verflossene Liebe oder die Liebe des Lebens, davon, und natürlich von dem Ballast, den man aus früheren Beziehungen mit in die neue schleppt, handelt sie. Dementsprechend erkennt man in den Figuren und ihren Entscheidungen oft sich selbst wieder, auch wenn hier alles ein wenig überspitzt dargestellt wird.

Das geschieht dann aber mit viel Charme, Witz und vor allem mit sehr viel Herz. Großen Dank dafür verdient die, bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzte Cast. Ob Michael Cera (JUNO, SUPERBAD) als Scott Pilgrim, Mary Elizabeth Winstead (DEATH PROOF, LIVE FREE OR DIE HARD) als wahre Traumfrau Ramona Flowers, Kieran Culkin (THE MIGHTY) als Scotts schwuler Mitbewohner Wallace Wells, oder selbst Thomas Jane (HUNG, THE PUNISHER) und Clifton Collins Jr. (STAR TREK, CRANK 2: HIGH VOLTAGE) als die Vegan Police, allen merkt man ihren Spaß an, was sich dann schnell auf den Zuschauer überträgt.

Spätestens jetzt muß ich sagen, dass Edgar Wright neben Michel Gondry, Guillermo del Toro und Robert Rodriguez zu den kreativsten Köpfen Hollywoods gehört. Ich bin echt gespannt darauf, was wir in Zukunft von ihm noch zu sehen bekommen werden.

Mein Fazit: SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist eine filmische Wundertüte mit geradezu nicht enden wollendem Einfallsreichtum. Gleichermaßen visuelles Spektakel und herzerwärmende Liebesgeschichte. Müsste ich ihn vergleichen, würde ich sagen, dass er sich wie eine Mischung aus KICK-ASS, AMELIE und ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND anfühlt, mit einem Hauch LOONEY TUNES. Für die Nerds unter uns gibte es massig an Film- Videospiel- und Musikzitate zu entdecken, aber auch alle Anderen dürften ihren Spaß an SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD haben. Neben KICK-ASS, definitiv ganz weit oben unter den direkten Comicverfilmungen und einer der besten Filme des Jahres. Meiner Meinung nach ein absolutes Must-See, aber vielleicht bin ich auch nur ein unglaublicher Nerd und ein hoffnungsloser Romantiker!

SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD Trailer:

4Nov/101

Review: MACHETE

Heute ist Donnerstag und was heißt das? Genau, Kino-Neuerscheinungen.

Mitunter starten zwei Filme, beide von Kritikern weltweit hoch gelobt  und wohl unbedingt anzusehen. CARLOS - DER SCHAKAL und BURIED - LEBEND BEGRABEN.

Und dann ist da noch MACHETE, der neue Film von Robert Rodriguez. Mein Film der Woche.

Wer erinnert sich nicht an den Fake-Trailer zu MACHETE, der die großartige Zombie-Exploitation Granate und John Carpenter-Hommage PLANET TERROR einleitete. Die Fanreaktionen jedoch, waren zum MACHETE Fake-Trailer fast positiver, als zum Film selbst. Und so blieb Robert Rodriguez nichts anderes übrig, als dem Trailer einen echten Film folgen zu lassen. Da ein großer Teil des Filmes für den Trailer schon gedreht war, hat Rodriguez seinen Assistenten Ethan Maniquis die Lücken füllen und einige Nachdrehs machen lassen.

Jetzt, zwei Jahre später, ist MACHETE endlich in unseren Kinos angekommen. Und was für ein fulminanter Auftritt das ist.

Machete (Danny Trejo aus PREDATORS) ist ein illegaler Einwanderer und Tagelöhner in Texas. Aus seiner Heimat verstoßen, lebt er jetzt von einem Tag in den nächsten und schert sich um nichts. Eines Tages jedoch, bekommt er einen  Job angeboten, der seine ganzen finanziellen Probleme mit einem Schlag beseitigen könnte. Während einer Ansprache soll er den Senator John MacLaughlin (ein herrlich arschiger Robert De Niro) töten. Doch bevor er zum tödlichen Schuß kommt, gelangt er in einen Hinterhalt. Jetzt ist Senator MacLaughlin der Held auf den die Nation gewartet hat und Machete ist der Staatsfeind Nr. 1. Das kann Machete nicht auf sich sitzen lassen. Köpfe müssen rollen und das ist keine Metapher.

Robert Rodriguez und Ethan Maniquis ist mit MACHETE ein regelrechter Geniestreich gelungen. Wenn man dann noch die skandalträchtigen Schlagzeilen, die die Einwanderungspolitik Arizonas im Frühling gemacht hat, in betracht zieht, kam er genau zur richtigen Zeit heraus, um als Allegorie zu funktionieren. Aber an erster Stelle möchte MACHETE natürlich (M)exploitation-Kino vom feinsten sein und das ist er auch. Ultarbrutal, dreckig, witzig, schräg und dank so einigen Megababes ganz schön sexy. Michelle Rodriguez (AVATAR) ist so heiß wie noch nie, Jessica Alba (FANTASTIC FOUR) ist so heiß wie eh und jeh und Lindsay Lohan (FREAKY FRIDAY) ist so heiß wie schon lange nicht mehr. Und natürlich kriegt Machete sie alle.
In weiteren rollen spielen Jeff Fahey (PLANET TERROR), Don Johnson (MIAMI VICE - Das Original), Steven Seagal (UNDER SIEGE), Cheech Marin (CHEECH & CHONG) und Tom Savini (FROM DUSK TILL DAWN). Und als I-Tüpfelchen versüßen einem auch hier die reichlichlichen Filmzitate umso mehr den Spaß.

Von mir gibt es zwei Daumen hoch!

MACHETE Offizieller Trailer:

MACHETE - GRINDHOUSE Fake Trailer:

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